CfP: Nach dem Kino – vor dem Spiel. Das Computerspielwerk von David Cage und die Medienkultur

[pullquote]Produktionen von David Cage zwischen Film und Computerspiel: Fahrenheit, Heavy Rain und Beyond: two souls [/pullquote]Der geplante Sammelband blickt auf das bisherige Computerspielwerk von David Cage, der in mehrerlei Hinsicht als Ausnahmeerscheinung der Computerspielbranche und ihrer Selbstverortung in der kontemporären Medienkultur betrachtet werden kann. Seine drei großen bisher veröffentlichten Produktionen (Fahrenheit, Heavy Rain und Beyond: two souls) loten prägnanter als bisherige Vertreter die mediale Schnittstelle von Film und Computerspiel aus. Sie stellen Fragen nach der filmischen Dimension der Medialität von Computerspielen, nach der Funktionsweise von filmkonventionellen Erzähl- und Inszenierungsstrategien im Computerspiel und möglicherweise nach der Zukunft des Films unter den Vorzeichen des Computerspiels sowie nach der Zukunft des Computerspiels unter dem Vorzeichen des Films und seiner eigenen Medialität. Während Kritiker Cage ‚Verrat‘ an beiden Seiten vorwerfen, könnte man optimistisch von einem Wegweiser für ein neues, den Zuschauer aktiv einbindendes Kinoerlebnis sprechen.

David Cage übernimmt für seine Produktionen eine Art Autorfunktion, was Fragen nach einem noch näher zu klärenden Autor- und vor allem Werkbegriff im Zusammenhang mit dem Computerspiel aufwirft. Welche Kriterien für den Werkbegriff können an ein Spiel angelegt werden? Welche Gemeinsamkeiten, die einen solchen Begriff vielleicht rechtfertigen, sind in den drei Spielen erkennbar? Diese virulenten Fragen, wie sie die Literatur- aber auch die Filmwissenschaft schon seit jeher in ihren eigenen Fachkontexten diskutieren, sind im Bereich des Computerspiels noch kaum untersucht worden. Das Buchprojekt setzt es sich zum Ziel, diese Lücke zu schließen.

[pullquote]Interaktive Filme im Diskursfeld zwischen Filmwissenschaft und Gamestudies [/pullquote]Im wissenschaftlichen Kontext stehen Cages Spiele, die aufgrund ihres Hybridcharakters nicht ganz zu Unrecht auch interaktive Filme genannt werden, im Diskursfeld zwischen Filmwissenschaft und Game Studies und sind deshalb eine Herausforderung für beide Seiten. Eine methodische Leitfrage ist dabei: Welche Perspektiven aus beiden Disziplinen bieten sich für die Analyse des Werkes von Cage an und wie verändert ein solcher Austausch auch den Blick der jeweiligen Disziplinen auf sich selbst? Das gilt gleichermaßen für die Rezipienten, die sich als Cineasten an Computerspiele herantasten. Mit wissenschaftlichen und journalistischen Verfahrensweisen adressiert der Band sowohl die entsprechenden Scientific Communities als auch eine an der Entwicklung dieser Medienformen interessierte Öffentlichkeit, um somit einem möglichst breiten Publikum die Auseinandersetzung mit einem zentralen Medium des 21. Jahrhunderts zu ermöglichen. Deshalb führen die wissenschaftliche Beiträge stets auch grundlegend in das entsprechende Wissenschaftsfeld ein.

Der Bereich Wissenschaft ist multiperspektivisch und interdisziplinär angelegt. Zu folgenden Bereichen sind Textvorschläge erwünscht:

  •  Interactive Movies aus der Perspektive der Filmwissenschaft
  • Das „Werk“ als Begriff im Medium Computerspiel
  • Die Grenze von Spiel und Nicht-Spiel
    • aus der Perspektive der Spielkonzeption (Technik, Kybernetik)
    • aus der Perspektive der Rezeption
  • Traditionslinien des Erzählens
    • mit Blick auf die formale Gestaltung: nicht-lineares Erzählen/Serialität
    • mit Blick auf den Rückbezug auf andere Semantiken
  • Logiken und Potentiale der Sucht in narrativ organisierten Computerspielen
  • Struktur der Gewalt – Gewalt als Struktur
  • Zu Moral und Ethik von Entscheidungen
  • Intertextualität/Intermedialität
  • Genretheorie
  • Emotional Gaming
  • Geschlechterdiskurs
  • David Cage als möglicher Umbruch in der Geschichte und für die Geschichtsschreibung des Videospiels

Überlegungen zu weiteren Aspekten können gerne eingereicht werden.

Abstracts im Umfang von 300-500 Wörtern und ein kurzes Curriculum Vitae werden erbeten bis 15.01.2015 an: cage-sammelband@germanistik.uni-muenchen.de

Die Herausgeber: Marcel Schellong, Alexander Schlicker und Tobias Unterhuber